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Tag 34: Verloren am Everest

28.09.13: Was für ein Tag! Es gibt viel zu erzählen. In Tibet wird die Geschwindigkeit von Fahrzeugen ganz anders gemessen, als wir es gewohnt sind. Immer wieder gibt es Polizeisperren, an denen man eine Zeit vorgegeben bekommt, in der man an der nächsten Sperre ankommen muss. Zu Spät kann man ruhig ankommen, aber wenn man zu früh ist, heißt das, dass man zu schnell gefahren ist. Manchmal passen die Zeiten, aber meistens müssen wir irgendwo für eine Viertelstunde warten. Als wir wiedermal halten müssen, entscheiden wir uns, die Zeit sinnvoll zu nutzen und besuchen einen alten Tempel.

Der Tempel sieht kaum Touristen und wir werden mit freudigem Lächeln begrüßt. Aufmerksam studieren die Mönche unsere Autos. Der Tempel beherbergt die älteste Bücherei Tibets – nur gibt es hier nicht ein Buch. Wir werden in einen Raum geführt, in dem uralte Schriftrollen und Druckplatten bis unter die Decke gestapelt sind. Ein junger Mönch zieht einen Stapel aus dem Regal und gibt uns ein paar
Rollen in die Hand: „Zum Schutz vor dem Bösen“ erklärt er.

Zurück auf dem Track bewegen wir uns wieder aufwärts. Schon bald durchbrechen wir noch einmal die 5000 Meter Marke. Wir merken die Höhe nun nicht mehr, nur an die Temperatur müssen wir uns noch gewöhnen. Dann ruft Dag plötzlich den Konvoi zum Halten auf. Wir kommen auf eine freie Fläche, von der man den Mount Everest sehen können soll. Leider liegt eine dichte Wolkenschicht über den Gipfeln des Himalaya, und wir können nur raten wo der Everest ist. Wir bleiben über Mittag, um gespannt die Wolkendecke zu beobachten – leider ohne Erfolg.

Über spektakuläre Gebirgspässe fahren wir in den Sonnenuntergang. Auf dem Gipfel sind wir mit unserem Guide Tenzin verabredet, der etwas weiter hinter uns fährt. Wir vertreiben uns die Zeit mit Foto- und Videoaufnahmen. Schließlich fährt der Großteil des Konvois schon mal los, während das Mechanikerfahrzeug und Dag noch auf Tenzin warten. Nach über einer Stunde fangen wir an,
uns Sorgen zu machen. Hat Tenzin uns unbemerkt überholt, oder ist er hinter uns liegen geblieben? Auf der anderen Seite des Berges liegt eine weitere Polizeikontrolle. Tenzin kann also nicht weiter als 70 Kilometer gefahren sein. Es ist schon Stockfinster und wir entschließen uns, eine Funkbrücke aufzubauen. Dazu fährt der Konvoi Richtung Polizeistation, lässt aber alle 8 Kilometer einen Wagen anhalten, so dass eine durchgehende Funkkette bis auf den Gipfel aufgebaut wird.

Gleichzeitig müssen wir die Strecke hinter uns kontrollieren, für den Fall, dass Tenzin und seinem Fahrer etwas passiert ist. Unser Dieselvorrat reicht aber nicht mehr, um den Pass runter und wieder hoch zu fahren. Wir halten einen LKW an, um nach Hilfe zu fragen. Gleichzeitig kommt ein weiteres Fahrzeug auf dem Gipfel an. Darin sitzen zwei deutsche Volontäre, die wir schon in Lhasa kennengelernt haben, und ihre Guide. Das Handy von ihrem Guide konnte Verbindung zu Tenzin aufbauen. Gleichzeitig tritt die
Funkbrücke in Kraft: Tenzin ist schon an der Polizeistation im Tal. Erleichterung! Zwar hat uns die Aktion mehrere Stunden gekostet, aber wenigstens ist nichts passiert. Erleichtert stoßen wir an der Grenzstadt vor Nepal auf einen aufregenden Tag an.
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