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LET Peru: Tag 4 – falsches Benzin und eine Rettungsaktion

Abfahrt!

Wir schreiben Tag 4 unseres großen Roadtrips und die Anzahl der Duschgänge beläuft sich wohl bei allen Teilnehmern auf Null, da wir die letzten Tage schlichtweg keine Duschen hatten. Man konnte zwar mal ins Meer oder in einen Fluss springen, doch so richtig ersetzt das eine heiße, ausgedehnte Dusche noch lange nicht. Heute sollte es soweit sein, aber dafür mussten wir erstmal noch einige Kilometer hinter uns bringen – und die hatten so ihre Tücken.

Dag meinte in seinem heutigen Briefing, dass wir so um 15 Uhr in Huancayo im Hotel ankommen werden – manche haben sogar 14 Uhr verstanden. Das wurde natürlich beides nichts. Ich fuhr zum ersten mal mit Nico und Anna mit, wobei wir festgestellt haben, dass Anna und ich den selben Musikgeschmack haben. Da Nico sich bei Musik sowieso nicht beschwert, stand uns eine super Fahrt bevor.



Es ging heute rein offroad-technisch nicht so hart zur Sache, was daran lag, dass wir hauptsächlich auf gut ausgebauten Schotter- und Asphalt-Straßen gefahren sind. Doch irgendwo muss ja der Haken sein, irgendwas muss ja passieren, damit die Kollegen von DMAX nicht nur Ponyhof-Situationen in ihrer 4-teiligen Reportage zeigen können. (Diese beginnt übrigens Anfang Januar, genauere Daten kommen am Ende des Blogs noch).
Nein, irgendein Streich musste uns ja jemand spielen – heute war es das Benzin. Hier in Peru, wie auch in vielen anderen entlegenen Regionen der Welt, gibt es manchmal nicht das beste Benzin. Prophylaktisch haben wir den Konvoy deshalb an der kleinen Tankstelle nicht komplett aufgefüllt, doch nach dem letzten Auto kam aus den Zapfsäulen tatsächlich nur noch Luft. Wir als viert-letztes Auto dachten uns dabei natürlich nichts und fuhren weiter…

Leergepumpt
Lieber doch nicht.. :D

…durch ein wahnsinnig schönes Tal, flussaufwärts. Rechts und links Berge, sodass das GPS schon Probleme bekam. In der Mitte war ein blauer, reißender Fluss, umgeben von grünem Moos, Bäumen und Feldern, die mit extra Wasserkanälen von den Bauern bewässert werden. Die ansteigende Höhe merkten wir gar nicht, als plötzlich der Wagen stotterte und kein Gas mehr annahm. Er ging schlussendlich aus und ließ sich erst nach einem „Software-Reset“ (einmal auf- und zuschließen) wieder starten. Wir dachten erst, es liegt vielleicht an der Elektronik, bis es nochmal passierte. Nun gaben wir das über Funk weiter und der Verdacht fiel auf das Benzin.



Da wir die letzten Reste der Tankstelle erwischten, ist es gut möglich, dass verhältnismäßig starke Verunreinigungen im Kraftstoff waren. Ein alter Motor, ohne jegliche Elektronik, Sensoren etc. schluckt dieses Benzin ganz ohne Probleme. Neue Autos hingegen, so klärte mich unser Crew-Mechaniker Thorsten auf, haben eine Menge Sensoren, die durch Verunreinigungen verstopfen und somit falsche Signale geben, die schlussendlich zu einem kapitulierenden Motor führen. Die Lösung für das Problem war entsprechend unkompliziert: Da wir ständig pro Auto zwei Kanister sauberen Treibstoff mit uns führen, haben wir diese einfach vollständig in unseren Tank gefüllt, um das „schlechte“ Benzin etwas zu mischen. Ab diesem Punkt gab es keine Probleme mehr und wir konnten die steigende Höhe, als Grund, also ausschließen.

Posed er da etwa?
Nico und Stefan, einer unserer Lead Instructoren.

Wir sind heute wieder unerwartet hoch hinauf gefahren. Nach dem Wartungs-Stopp checkten wir mehr zufällig die Höhe und waren schon wieder bei 4600 Metern gelandet. Das merkte man dann plötzlich auch wieder, wie schon bereits im letzten Blog-Eintrag beschrieben.

Der Fahrer musste lachen als er uns überholte.

Auf dieser Höhe ist allerdings noch etwas ganz anderes passiert, von dem wir als letzter Konvoy gar nichts mitbekamen. Der erste Konvoy stieß bei 4700 Metern plötzlich auf einen Lastwagen, der einen großen Container Gefahrgut und -stoff geladen hatte. Dieser Lastwagen hatte eine Kurve nicht bekommen und hing somit rechts in einem Felsen und links halb über dem Abgrund. Eine gefährliche Situation also, die eine Weiterfahrt nicht ermöglichte. Einem solchen Problem konnten die Tour-Leader Dag und sein Kollege Henning natürlich nicht einfach zusehen, zumal sie anders auch gar nicht weitergekommen wären. Die einzige Lösung: Den LKW auf einer Seite anheben, damit sich der Container oben von der Wand wegbewegt. Und wie hebt man einen LKW an? Man lässt ihn mit dem Spielraum, den er hat, auf eine Schicht aus Traction Mats fahren. Das sind die „Bretter“, die man sonst nutzt, um aus weichem Sand oder Schlamm herauszukommen. Somit war der LKW leicht zum Tal geneigt und konnte mit viel Einweisung und der Hilfe von unserem ersten Konvoy, sowie ein paar Einheimischen die ebenfalls vor Ort waren, aus der misslichen Lage befreit werden. Voller Dankbarkeit konnten alle Autos weiterfahren und vor allem der LKW unbeschädigt seinen Weg fortsetzen.

Jenny war live dabei! Danke für das Foto.
Wir währenddessen: Shooting-Time.

Das war also der Tag, an dem es hieß, wir fahren asphaltierte Straßen und sind um 15 Uhr im Hotel. Er endete schlussendlich damit, dass wir um 18 Uhr, mit einer Menge Erlebnissen und Fotos im Gepäck eincheckten. Außerdem haben wir heute unsere ersten Lamas oder Alpacas gesehen – wir sind uns nicht ganz sicher. UND wir hatten nach mehreren Tagen endlich wieder mal eine Dusche, eine richtige Toilette und halbwegs stabiles WLAN.

Na, was ist denn das?


Die nächsten Tage in Huancayo stehen Autos waschen, die zweite Hälfte der Tour vorbereiten und mehrere Ausflüge in die Stadt an. Ich werde also mal Zeit haben, euch das gesamte Team vorzustellen, wozu ich bisher ja leider noch nicht gekommen bin.

Allerbeste Grüße aus dem wunderschönen Andenstaat Peru,

Euer Jonas.

Huancayo in Abendstimmung.
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